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Genossenschafts­gründungen besser unterstützen

Ergebnisse eines Workshops beim CoopCamp Leipzig 2025





Beim CoopCamp in Leipzig 2025 ging es um die Frage: Wie kann ein besser vernetztes Unterstützungssystem für Genossenschaftsgründungen aussehen?
Für diese Frage kamen rund 25 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis, Verbänden und Beratung zusammen.

Methodisch wurde mit der 1–2–4-All-Methode gearbeitet: Die Teilnehmenden reflektierten zunächst individuell, tauschten sich anschließend in Zweier- und Kleingruppen aus und bündelten ihre Erkenntnisse schließlich im Plenum. Es ging insbesondere um administrative Hürden, Wissenslücken zu Genossenschaften an den Beratungsstellen für Gründer:innen sowie fehlende Verbindungen zwischen allgemeiner Gründungsförderung und genossenschaftlichen Prüfungsverbänden.







Lösungs-Ideen

🚀 Gründungs-Sprechstunde für Genossenschaften

🎯 Zielgruppe: Gründer:innen von Genossenschaften und Gründer:innen, die noch die passende Rechtsform suchen

Format: Überregionale Online-Sprechstunde

  • Inspiration: Erfolgreiche Coop-Gründer*innen teilen Erfahrungen
  • Fach-Impuls: Rotierende Inputs zu Finanzierung, Geschäftsmodell, Prüfung, Governance
  • Q&A: Praktische Antworten auf Fragen der Teilnehmenden

Partner

  • Kooperation mit Volks- und Raiffeisenbanken, IHKs & HWKs, Gründungszentren, Wirtschaftsförderungen, Genossenschaftsverbänden

Skalierbarkeit

  • Ausbau zum Thema Nachfolge durch Genossenschaften
  • (regionale) Partnerschaften

🌐 Vernetzungsplattform

🔗 Zentrale Plattform: Verbindung von Genossenschaftsverbänden & Gründungszentren z.B. via #GenoDigital-Website

  • Digitale Terminbuchung: Einfacher Zugang zu Beratung & Veranstaltungen
  • Koordination von Angeboten: Übersicht über Programme, Sprechstunden & Events
  • Transparenz schaffen: Wer bietet was? → leichterer Zugang für Gründer:innen
  • Skalierbarkeit: Plattform wächst mit mehr Partnern & regionalen Akteuren

Du willst die Ideen mit uns umsetzen und weiterentwickeln? Schreibe uns an: hallo@genossenschaften.digital 🙌





Zwei Personen unterhalten sich. Eine gestikuliert mit ihren Händen.


Zentrale Herausforderungen bei der Gründung von Genossenschaften

Fehlende Orientierung und Rechtsunsicherheit
Ein häufig genannter Punkt war das Fehlen einer klaren, verständlichen Übersicht über die einzelnen Schritte einer Genossenschaftsgründung. Gründer:innen berichten von Unsicherheit bei Haftungsfragen oder den Anforderungen für die Eintragung und Prüfung. Es fehlen einheitliche Vorlagen und transparente Kriterien.

Hohe Kosten und schwieriger Zugang zu Fachwissen
Relativ hohe Gründungskosten, insbesondere für Beratung und Prüfung, stellen eine weitere Hürde dar. Gleichzeitig ist der Zugang zu spezialisiertem Wissen schwierig: Rechts- und Steuerberater:innen oder Banken verfügen häufig über wenig Erfahrung mit Genossenschaften, was in einzelnen Fällen zu verzögerter Kontoeröffnung führte.

Finanzierung und Kapitalaufbringung
Auch die Frage nach dem passenden Startkapital wurde gestellt. Während Genossenschaften Eigenkapital leicht über die Mitgliedschaft einwerben können, passen klassische Startup-Finanzierungsmodelle oft nicht zur genossenschaftlichen Form, während alternative Finanzierungsformen noch zu wenig sichtbar oder etabliert sind.

Geringe Sichtbarkeit und Vorurteile
Genossenschaften spielen in der Lehre, etwa in Jura- oder wirtschaftsnahen Studiengängen, kaum eine Rolle. Auch Gründungsprogramme, Inkubatoren oder Beratungsstellen sind häufig stark auf Start-ups und Investorenlogiken ausgerichtet. Das führt zu Vorurteilen gegenüber genossenschaftlichen Geschäftsmodellen und dazu, dass diese bei Förderangeboten kaum erreicht werden.

Fehlende Netzwerke und digitale Werkzeuge
Viele Gründer:innen vermissen belastbare Netzwerke zu anderen Genossenschaften sowie geeignete digitale Tools für Verwaltung und Organisation. Bestehende Softwarelösungen sind oft nicht auf genossenschaftliche Bedürfnisse zugeschnitten.





Zwei Personen sitzen nebeneinander. Eine schaut auf ein beschriebenes Post-It.


Ansätze für bessere Unterstützung und Vernetzung

💡 Neben der Problembeschreibung wurden zahlreiche konkrete Ideen entwickelt, wie sich die Unterstützung für Genossenschaftsgründungen verbessern lässt.

Niedrigschwellige Erstberatung und gebündeltes Wissen
Als zentraler Bedarf wurde eine leicht zugängliche erste Anlaufstelle genannt, etwa in Form einer Hotline, kostenfreier Sprechstunden oder einer Erstberatung. Ergänzend dazu braucht es ein gut auffindbares Verzeichnis, das relevante Informationen, Ansprechpartner:innen und Materialien bündelt.

Praxisnahe Vorlagen und transparente Prozesse
Blaupausen, Baukästen und verständliche Checklisten – insbesondere für Satzung, Prüfung und Eintragung – könnten den Einstieg deutlich erleichtern. Wichtig ist dabei Transparenz über Anforderungen und Kriterien.

Stärkung von Netzwerken und Mentoring
Patenschaften, Mentoring-Programme und Stammtische wurden als wirkungsvolle Formate genannt, um Erfahrungswissen weiterzugeben und Vertrauen aufzubauen. Viele bestehende Genossenschaften erhalten bereits regelmäßig Anfragen von Gründungsinteressierten – dieses Potenzial kann gezielt genutzt werden.

Gezielte Qualifizierung von Beratungs- und Förderstrukturen
Weiterbildungen für Gründungszentren, Wirtschaftsförderungen, IHKs und HWKs könnten dazu beitragen, Wissen über Genossenschaften systematisch aufzubauen. Eine engere Vernetzung dieser Akteure mit Genossenschaftsverbänden wurde als zentraler Hebel identifiziert.

Finanzierung neu denken und sichtbar machen
Crowdfunding, Mitgliederkapital, solidarische Finanzierungsmodelle und spezifische Gründungszuschüsse für Genossenschaften sollten stärker kommuniziert und gefördert werden. Erfolgreiche Praxisbeispiele können dabei als Inspiration dienen.

Sichtbarkeit erhöhen – von Hochschule bis Öffentlichkeit
Genossenschaften sollten stärker in Hochschulen, Existenzgründungsseminaren und öffentlichen Kommunikationskampagnen verankert werden. Statt Informationsüberflutung wünschen sich Gründer:innen dabei gezielte, phasenbezogene Informationen: Was brauche ich jetzt und was später?





Drei Personen tauschen sich in einer Kleingruppe aus.



Drei Personen stehen an einem Tisch. Die Person im Fokus der Kamera lacht.