Direkt zum Inhalt
 

Crowdfunding und -investing für Genossenschaften




Auf dieser Seite findest du:

  • Wie du digitale Schwarmfinanzierung für deine Genossenschaft nutzen kannst
  • Was Crowdfunding und Crowdinvesting eigentlich ist
  • Worauf du rechtlich achten solltest
  • Was du von innovativen Praxisbeispielen lernen kannst



Die Möglichkeiten digitaler Schwarmfinanzierung für deine Genossenschaft

Digitale Schwarmfinanzierung trägt den Kern des Genossenschaftsgedankens “Was eine:r alleine nicht schafft, das schaffen viele” in das Zeitalter digitaler Finanzierungsinstrumente. Genossenschaften können über ihre eigene Website und digitale Kanäle Crowdinvesting-Kampagnen frei gestalten oder professionelle Plattformen dafür nutzen.

Die Nutzung von professionellen Crowdinvesting-Plattformen war bis Ende 2025 stark eingeschränkt. Aufgrund eines Provisionsverbots für den Vertrieb von Genossenschaftsanteilen konnten Genossenschaften über professionelle Crowdinvesting-Plattformen nur bis zu 100.000 € an Genossenschaftsanteilen innerhalb von 12 Monaten einwerben ohne ein kostspieliges Wertpapierprospekt erstellen zu müssen. Diese Grenze konnten wir mit unserer politischen Arbeit auf 6 Millionen Euro erhöhen.

Die Vorteile von gut organisierten und authentisch kommunizierten Kampagne sind neben der Gewinnung neuer Mitglieder und Kapital für die Genossenschaft (ob als Spende, Darlehen oder Eigenkapital) auch mehr Bekanntheit, Reichweite und mediale Aufmerksamkeit für deine Genossenschaft.

Was unterscheidet Crowdfunding und Crowdinvesting?

Crowdfunding

  • oft reward-based (mit Gegenleistung) wie ein Vorverkauf
  • ermöglicht auch freie Unterstützungen (ohne Gegenleistung)
  • zielt nicht auf Renditeerwartung ab

Crowdinvesting

  • Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Beteiligungen
  • Crowd erhält eine feste oder erfolgsabhängige Rendite
  • größere Kapitalsummen

Die Vorteile von Crowdfunding und Crowdinvesting:

  • Du kannst die Idee deiner Genossenschaft testen, finanzieren, neue Zielgruppen erreichen und eine Community aufbauen.
  • Über beide Wege können (digital!) Mitglieder und damit Eigenkapital für deine Genossenschaft gewonnen werden.



Rechtliche Einordnung


»Die Möglichkeit, Genossenschaftsanteile über Crowdinvesting anzubieten, eröffnet neue Wege der Mitglieder- und Kapitalgewinnung, wahrt Transparenz und Anlegerschutz und schafft einen zeitgemäßen rechtlichen Rahmen für digitale Genossenschaften.«

Mathias Fiedler, Syndikusanwalt und Vorstand beim Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften, hat den rechtlichen Rahmen für uns eingeordnet.







Der rechtliche Rahmen in Kürze

Genossenschaften leben durch ihre aktiven Mitglieder, die die Dienstleistungen und Einrichtungen nutzen. Wenn diese den Kapitalbedarf nicht alleine stemmen können, sind investierende Mitglieder eine mögliche Lösung, die finanziell durch das Zeichnen von Anteilen beitragen.

Die mit der Mitgliedschaft verbundenen Genossenschaftsanteile gelten als Vermögensanlage sind prinzipiell prospektpflichtig, wenn eine erfolgsabhängige Vergütung gezahlt wird - wie es bei den meisten Crowdfunding- und investing-Plattformen der Fall ist. Es gibt jedoch Ausnahmen, denn rechtlich werden drei Arten von Kampagnen je nach Volumen unterschieden:

1. Kampagnen unter 100.000 € Eigenkapital (Anteile) innerhalb von 12 Monaten:

  • Die Prospektpflicht entfällt.
  • Bis zu dieser Schwelle (Bagatellgrenze) ist bspw. Startnext eine geeignete Crowdfunding-Plattform und es bedarf keiner besonders regulierten Crowdinvesting-Plattform.
  • Hinweis: Die Grenze für das prospektfreie Einwerben von Genossenschaftsanteilen über Crowdfunding-Plattformen ohne § 34f GewO Lizenz liegt bei 100.000 € innerhalb von 12 Monaten. Allerdings können darüber hinaus unbegrenzt Spenden und Einnahmen gegen Dankeschöns (Rewards) oder den Vorverkauf von Produkten oder Dienstleistungen eingenommen werden.

2. Kampagnen von 100.000 € bis 6 Millionen € Eigenkapital (Anteile) innerhalb von 12 Monaten:

  • Über regulierte Crowdinvesting-Plattformen (mit § 34f GewO Lizenz) ebenso ohne Prospektpflicht möglich (durch die seit 2026 geltenden Änderungen).
  • Maximale Investition pro Person ohne Prospektpflicht: 1.000 € (bis zu 10.000 € bei entsprechenden finanziellen Voraussetzungen).
  • Vorab ist das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) auszuhändigen. Dieses ist kein vollständiger Prospekt; es enthält u.a. Informationen zum Projekt, den wirtschaftlichen Risiken, den Rechten der Mitglieder und der Kapitalverwendung.

3. Kampagnen über 6 Millionen € Eigenkapital (Anteile) innerhalb von 12 Monaten:

  • Sind prospektpflichtig, d.h. es muss ein Verkaufsprospekt im Sinne einer Vermögensanlage erstellt und von der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt werden.

Hinweise:

  • Seit 2025 kann das Zeichnen von Genossenschaftsanteilen über Crowdfunding- und investing Kampagnen komplett digital erfolgen. Erfahre hier, was du dabei beachten solltest.
  • Grundsätzlich sind für Crowdfunding und -investing von Genossenschaften vor allem das Genossenschaftsgesetz und das Vermögensanlagengesetz zu beachten.
  • Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine individuelle Rechtsberatung.



Praxis-Case Crowdfunding: Krakelee eG


»Durch die Crowdfunding-Kampagne konnten wir die Idee eines genossenschaftlichen Technoclubs einer breiteren Öffentlichkeit näher bringen.«

Johanna Warchol hat mit ihrem Team durch eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext über 100.000 € und rund 220 Genossenschaftsanteile für die Eröffnung des Krakelee Clubs in Köln eingesammelt: Zur Kampagne.

Die Kampagne haben sie vor allem genutzt, um die Anschubfinanzierung zu sichern nachdem eine Mietfläche für den Club gefunden war und um das Projekt bekannter zu machen. Ihre Zielgruppe haben sie dabei bewusst über die Clubszene hinaus auf stadtpolitische interessierte Menschen erweitert. Ein Genossenschaftsanteil bei der krakelee eG beträgt 250 €.







Johanna's Learnings:

  • Umfangreiche Zielgruppenanalyse mit gezielter Ansprache verschiedener Gruppen: Argumente und Texte entwickeln sowie Veranstaltungen identifizieren, über die man die relevanten Zielgruppen erreichen kann.
  • Für viele der Unterstützer:innen waren 250 € für einen Genossenschaftsanteil viel Geld. Durch Meet-and-Greets, Stände auf Weihnachtsmärkten und Community-Events wurde Vertrauen geschaffen und die persönliche Verbindung gestärkt.
  • Nicht nur die Projektidee selbst, sondern auch der gesellschaftliche Rahmen hat Menschen angezogen: Das Genossenschaftsmodell und die Stärkung der Clubkultur als konstruktive Begegnung mit der Frustration über Kölner Stadtpolitik haben Menschen mit einem größeren Zielbild über den individuellen Nutzen hinaus angesprochen.
  • Herausfinden, was die Unterstützer:innen motiviert: Im Fall von krakelee ging es nicht um eine finanzielle Vergütung oder Gegenleistung, sondern das gemeinsame Ermöglichen des Projekts.



Praxis-Case Crowdinvesting: Euro Plant Tray eG


»Kreislaufwirtschaft geht nicht im Alleingang. Um die Kraft und Ressourcen verschiedener Akteure zu bündeln, war Crowdinvesting für uns ein zentrales Instrument.«

Dirk Bansemer hat mit der Euro Plant Tray eG durch drei Crowdinvesting Kampagnen auf den Plattformen GLS Crowd, WIWIN und Inyova ein Volumen von 4,5 Mio. € einen Mehrwegtray für die Pflanzenbranche entwickelt: Zur GLS Crowd-Kampagne

Euro Plant Tray hat für die Grüne Branche einen wiederverwendbaren Pflanzentray zur Müllvermeidung entwickelt und vereint mittlerweile über 30 Mitgliedsunternehmen aus 6 Ländern. Durch ihre Crowdinvesting-Kampagne konnten sie unabhängig von Banken ihre Finanzierung durch das Einbeziehen von Endnutzer:innen sichern. Die Einlagen waren ab 250 € möglich und werden mit 8% verzinst.







Dirk's Learnings:

  • 8% Verzinsung war bedeutsam als Anreiz, aber die meisten Unterstützer:innen wollten einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten: Es braucht ein tragfähiges, überzeugendes Projekt, damit Menschen bereit sind zu investieren.
  • Herausforderung und gleichzeitig das Potenzial der Kampagne lag im einfachen Erklären einer komplexen B2B-Idee für Endnutzer:innen.
  • Die professionelle Unterstützung durch die Crowdinvesting-Plattformen hat bei der Kampagnengestaltung und der Erstellung des Vermögensanlagen-Informationsblatts (VIB) geholfen.
  • Verschiedene Plattformen parallel zu nutzen kann ein Hebel sein: Technische Unterschiede der Plattformen erforderte Anpassungen, waren aber mit Unterstützung gut zu bewältigen. Die verschiedenen Plattformen wurden aufgrund der verschiedenen Zielgruppen gewählt, um breit ansprechen zu können.



Weitere erfolgreiche Praxisbeispiele

Hier findest du weitere erfolgreiche Praxisbeispiele von Genossenschaften, die Reward-Based Crowdfundings (Spende gegen Dankeschön), Mezzanine-Crowdinvesting (Nachrangdarlehen), Eigenkapital-Crowdinvesting (Genossenschaftsanteile oder Anteile am Tochterunternehmen) oder eine Mischung aus den verschiedenen Finanzierungsinstrumenten in ihren digitalen Schwarmfinanzierungen umgesetzt haben:

  • Fc St. Pauli Football Cooperative - Mit über 29,1 Millionen Euro an Einnahmen aus Geschäftsanteilen und Beitrittsgebühr von über 22.600 gewonnen Genossenschaftsmitgliedern die erfolgreichste Crowdinvesting-Kampagne einer Genossenschaft

  • Bürgerwerke eG - 5 Millionen Euro Wachstumsfinanzierungs-Kampagne nach Nachrangdarlehen für die Skalierung des Endkunden-Geschäfts für die Dachgenossenschaft von über 100 regionalen Energiegenossenschaften

  • European Sleeper (belgische Genossenschaft) - 3 Millionen Euro Wachstumsfinanzierungs-Kampagne für die Skalierung des Streckennetzes für Nachzugverbindungen innerhalb von Europa

  • LandAufbau eG - 250.000 Euro Gründungs- und Übernahmekampagne für Aufbau der Innovations-Genossenschaft für eine regenerative bäuerliche Kultur und Übernahme einer Produktinnovation aus einer Insolvenzmasse

  • Hof Medewege - 75.000 Euro Gründungskampagne für die Übernahme der Gärtnerei auf Hof Medewege mit einer Genossenschaft

  • SuperCoop Berlin eG - 75.000 Euro Gründungskampagne für einen Mitglieder-Supermarkt in Berlin

  • TRINK–GENOSSE eG - 55.000 Euro Gründungskampagne für eine genossenschaftliche Bar in Köln




Anleitungen und Einordnungen

Blog-Beitrag zur rechtlichen Einordnung vom Zentralverband der Deutschen Konsumgenossenschaften

Crowdfunding für Genossenschaften auf Startnext








Erhalte ein Mal im Monat:

Praxiswissen für deine Genossenschaft
→ Einladungen zu Community-Events


Newsletter abonnieren