Digitaler Genossenschaftsbeitritt und Mitgliederverwaltung

Beispiele aus der Praxis




Eines der wichtigsten Anliegen von #GenoDigitalJetzt ist es, die Voraussetzungen für einen rechtssicheren digitalen Aufnahmeprozess von neuen Mitgliedern zu schaffen, indem wir auf die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen hinwirken. Wie Genossenschaften schon heute einen Teil ihrer Verwaltung digital abbilden können, haben uns Leon Fryszer von der Krautreporter eG und Markus Stegfellner von der polypoly SCE im Community Call gezeigt.

Digitale Mitgliederverwaltung mit “Geno”

Als sich das Team des genossenschaftlich organisierten Online-Magazins Krautreporter das Durchschnittsalter der Mitglieder einmal genauer ansah, stellte es fest, dass erstaunlich wenige junge Menschen Teil der Genossenschaft waren. Womöglich schreckte der bürokratische Aufnahmeprozess gerade diejenigen von einer Mitgliedschaft ab, die aus ihrem Alltag vollständig digitalisierte Abläufe gewöhnt waren. Das lässt sich auch aus der sehr geringen Anzahl an genossenschaftlichen Neugründungen in den letzten Jahren herauslesen. Dabei sollte diese Rechtsform doch gerade für eine Generation interessant sein, der die Missstände unserer Zeit mehr als bewusst sind.

Leon machte sich daher zusammen mit seinem Vorstandskollegen Sebastian daran, eine Software für die digitale Mitgliederverwaltung zu entwickeln, die sie zukünftig auch anderen Genossenschaften zur Verfügung stellen möchten. Dabei halfen ihnen die Erfahrungen, die sie bereits mit dem digitalen Krautreporter-Abo gesammelt hatten.
Das daraus entstandene Tool hört auf den Namen “Geno” und verfügt über drei Module: das digitale Antragsformular, ein zentrales Antragspostfach und einen automatischen Aufnahme-Workflow.

Interessierte Mitglieder füllen das Antragsformular für die Aufnahme in die Genossenschaft online aus und unterzeichnen es mittels qualifizierter elektronischer Signatur. Diese ist einer handschriftlichen Unterschrift rechtlich gleichgestellt, jedoch auch mit einem gewissen Aufwand verbunden: Das Mitglied muss sich über ein Videoident-Verfahren oder die Online-Ausweisfunktion seines Personalausweises identifizieren. Bisher nutzt Krautreporter dafür die Dienste der Bundesdruckerei. #GenoDigitalJetzt arbeitet daran, dass sich dieser Prozess in Zukunft einfacher gestalten lässt.

Der Antrag landet anschließend im elektronischen Postfach der Genossenschaft, wo auch zusätzliche Anteilskäufe und Kündigungen bearbeitet werden. Der daraufhin ausgelöste Aufnahme-Workflow umfasst den Einzug der Anteile per Lastschriftverfahren, die Prüfung der Überweisung über eine Open-Banking-Schnittstelle, die automatische Erstellung und Weiterleitung der Mitgliedsurkunde und des Aufnahmeprotokolls und die letztendliche Ablage der Dokumente.
Derzeit befindet sich “Geno” in einer geschlossenen Beta-Phase. Vollständig in Betrieb genommen wird die Lösung voraussichtlich Ende 2023. Interessierte Genossenschaften können sich als Beta-Tester melden, um die Software für ihre eigenen Abläufe auszuprobieren. Weitere Informationen gibt es auf geno.coop.

Europäische Genossenschaften und der digitale Beitritt

Dass dem digitalen Genossenschaftsbeitritt gesetzlich nichts im Wege stehen sollte, zeigt sich daran, dass man in Deutschland bereits heute vollkommen digital Mitglied einer Genossenschaft werden kann – vorausgesetzt, deren Rechtsform ist die SCE (“Societas Cooperativa Europaea”).

Bei der Europäischen Genossenschaft polypoly können Menschen aus allen EU-Staaten Mitglied werden. Deren App “polyPod” ermöglicht es, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten und zukünftig sogar ein digitales Einkommen aus ihnen zu generieren, indem man die nicht genutzte Rechenleistung seines Smartphones für die Datenverarbeitung zur Verfügung stellt.

Markus hob in seinem Vortrag hervor, dass es bei der Wahl der Rechtsform nicht primär um den digitalen Beitritt ging. Dass die Europäische Genossenschaft Möglichkeiten zur Digitalisierung der Verwaltungsprozesse bietet, ist jedoch ein großer Vorteil.

Mitglieder können aus verschiedenen Anteilspaketen wählen: von einem Anteil für 5 Euro (auch als monatliches Abo verfügbar) bis hin zu 2000 Anteilen für 10.000 Euro. Die Zeichnung erfolgt über eine integrierte Shop-Lösung, über die auch die erforderlichen Zustimmungen eingeholt und die Staatsbürgerschaft des Mitglieds abgefragt werden.
Eine Mitgliedschaft bei polypoly lässt sich zudem verschenken: Das Antragsformular verfügt über ein Feld für Gutschein-Codes, sodass die geschenkten Anteile verrechnet werden können. Wer Weihnachten als Anlass für die Stärkung der europäischen Datensouveränität nutzen möchte, findet hier die Möglichkeit dazu.